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Esperance-Norseman

Kennt jemand einen quadratischen Schraubendreher? Ich bisher nicht. Habe noch nie einen gesehen, nie von einem gehört und kenne auch niemandem, der je davon berichtet hat.

Naja, bis heute…

Die Fliegengitter-Tür hat eine Verriegelung, die mit eben solchen Schrauben befestigt ist. Und diese ist lose.

Ein Anruf beim Onroadservice hilft mir nicht weiter, die Verbindung ist echt schlecht. Der Service-Mitarbeiter des Caravan-Parks empfiehlt uns eine Repair-Station ein paar Meter die Straße runter und, man glaubt es kaum, dort kennt man diese Art von Schraubendreher. Eine Minute später stehe ich mit einem Square-Screwdriver bewaffnet vor dem Camper und gebe mein Bestes. Metall quietscht auf Metall und der Griff zieht sich fest. Der zunächst abwartend prüfende Blick meines Sohnes wandelt sich in Anerkennung und mit Stolz geschwellter Brust trage ich das Werkzeug zurück. Ein bisschen, als hätte ich Feuer gemacht…

Jetzt schnell zum Supermarkt (ihr wisst schon welcher) und die Anderen treffen, die sich für eine Polarexpedition eindecken. 😉

Gegenüber des eigentlichen Parkplatzes stehen viele lange Fahrzeuge (Jeeps mit Wohnwagen, große Camper, etc.) und ich entscheide, auch dort zu parken. Beim Auffahren sehe ich einen Camper, der sich festgefahren hat und so steuere ich zurück zur Straße und parke lieber einige Meter weiter vom Supermarkt entfernt. Mein Sohn will mir weismachen, Opa am eingegrabenen Wohnmobil gesehen zu haben. Ich erkläre ihm, was eine Fata Morgana ist und gehe nach hinten durch, um Noah zu holen. Plötzlich wird die Fata Morgana Realität: Nici steht mit einer irren Mischung aus Verzweiflung und Belustigung vor mir und zeigt kichernd auf das im Sand spielende Wohnmobil, das sich tatsächlich als Opas entpuppt. Ich ahne, was jetzt kommt und stöhne innerlich bereits.

Hilft nix, musste buddeln.

2 1/2 (in Worten zweieinhalb!) Stunden später kommen wir weiter…

In der Zwischenzeit haben wir mindestens 2 Kubikmeter Erde und Sand bewegt, etwa 20 Leute kennengelernt (von denen eine Handvoll unter dem Auto lag und gebuddelt hat, noch bevor man mehr als eine Begrüßung austauschen konnte), haben mit dem Onroadservice telefoniert (zum zweiten Mal an diesem Tag) und von einer alten, belustigt durch ihre lila Brille zwinkernden Dame erfahren, das dies ein Hotspot für unvorsichtige Autofahrer sei und mindestens einmal die Woche jemand steckenbleibt. Mein Vater solle also nicht sauer auf sich sein.

Ein Australier hat Unterleg-Platten für die Reifen, der Nächste eine Winde an seinem Dodge RAM und so können wir nach vorne aus dem Sand befreit werden. Die Begrenzungspöller des Parkplatzes sind bereits nur noch lose eingesteckt (die Dame wird hier wohl so eine Art Unfall-TV zu schauen, denn Recht scheint sie zu haben) und so können wir uns auf Asphalt retten.

Keiner unserer Retter in der Not möchte ein kaltes Getränk, Geld als Dankeschön erst recht nicht, auch nicht für die Kinder…

Unglaublich, wie nett und hilfsbereit hier alle sind. Man nimmt sich Zeit, packt mit an, quatscht auch noch und möchte dann keinerlei Bezahlung, selbst, wenn es den eigenen Zeitplan umschmeisst.

Hut ab für alle Aussies!!

Bei uns hätten die Meisten wahrscheinlich nur ein Foto gemacht und wären weitergegangen. Hab ich auch VG d er fhj ggf s m eif

OK, es ist der nächste Morgen. Gestern Abend bin ich beim Schreiben einfach am Tisch eingeschlafen, mein Handy wartete geduldig darauf, das ich weiterschreibe.

Also, wo waren wir?

Ach ja, ein Foto vom Camper:

Bis zur Achse in Sand und Erde…

Um dreizehn Uhr starten wir endlich Richtung Norden, ins Outback.

Diesmal haben wir 200 km vor uns und können auf halbem Weg noch eine Pause machen, bei der wir die Drohne steigen lassen. Die Straße n sind flach und gerade, die Vegetation wird spärlicher. Wir kommen gegen fünf in Norseman am Campingplatz an.

Und es folgt der nächste Anruf beim Onroadservice…

Direkt vor dem Office am Eingang bricht an unserem Camper die Aufhängung des Frischwassertanks. 90l Wasser verteilen sich über den Boden und ich könnte heulen. Ich weiss noch nicht, ob ich sauer sein soll, dass bei einem max. einem Jahr alten Motorhome eine massive Metall-Aufhängung bricht, oder dankbar, das es nicht ein paar Kilometer später passiert ist, wo wir niemanden mehr hätten erreichen können. Wir zahlen viel Geld, damit wir uns über diese Dinge eigentlich keine Gedanken machen müssen, sondern sicher überall ankommen. 😤

Zum Glück haben wir vor der Reise für kleines Geld ein 25m Seil gekauft, mit dem wir jetzt den Tank provisorisch befestigen.

Mal schauen, wie es morgen, äh, heute, weitergeht.

Maui sagt, sie melden sich heute morgen und bringen uns zu einer Werkstatt…

Nichtsdestotrotz ist die Stimmung bei allen gut, ich lasse mir meinen Frust nicht anmerken! 🙂

Ein Kommentar

  • Beate Viehausen

    Hallo Ihr Lieben. Es ist schön von Euch zu hören. Wir denken oft an euch und eurer grosses Abendheuer. Viel Spass, Beate